Cloud Computing im Mittelstand: Ergebnisse zur Umfrage „Nutzung geschäftsprozessrelevanter Dienste aus der Cloud“

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Cloud Computing ist heutzutage wohl keine Revolution mehr, sondern eher als Evolution innerhalb der IT zu sehen. Es bietet Unternehmen neue Implementierungs- und Betriebsmodelle, indem es IT-Ressourcen in einer bis dahin neuen Art zur Verfügung stellt. In diesem Zusammenhang wird vor allem die flexible und nahezu unbegrenzte Verfügbarkeit von Diensten aus der Cloud seitens der Softwareanbieter in den Vordergrund gestellt. Trotz dieser Vorteile haben viele Unternehmen Bedenken, den Einsatz von geschäftsprozessrelevanten Diensten aus der Cloud voranzutreiben. Was sind die Gründe für diese Zurückhaltung? Inwiefern muss sich das Leistungsspektrum von Cloud-Anbietern ändern, um Cloud-Dienstleistungen attraktiver für Unternehmen zu gestalten? Welche Erfahrungen haben Unternehmen bisher mit der Nutzung von Cloud Computing gemacht?

Um ein aktuelles Stimmungsbild des Mittelstandes wiederzugeben, wurde in Kooperation mit der SAP AG, der Universität Paderborn und der itelligence AG die aktuelle und geplante Nutzung von Cloud Computing analysiert. Ziel der Untersuchung ist es, die aktuellen Herausforderungen, die mit dem Einsatz von Cloud Computing verbunden sind, zu analysieren und zu verstehen. Besonderer Fokus lag hierbei auf dem Wissen, dem relativen Vorteil, der Kompatibilität, der Komplexität, der Systemintegration, der Sicherheit, des Management Supports und dem Wettbewerb von Cloud-Lösungen.

Innerhalb einer empirischen Onlineumfrage wurden dazu die Antworten von 244 Teilnehmern aus IT-und Fachabteilungen des Mittelstands ausgewertet. Ein Drittel der Befragten ist in Unternehmen von 501 bis 2500 Mitarbeitern beschäftigt. Fast die Hälfte der Unternehmen verzeichnen einen Jahresumsatz von 51 bis 500 Mio. €. Insgesamt ist festzustellen, dass je größer das Unternehmen ist, umso eher liegt eine Nutzung von Cloud-Lösungen vor.

Bereits über die Hälfte der Befragten setzen Software as a Service (SaaS) in ihrem Unternehmen ein. Dabei zeigt sich, dass die meisten Nutzer zufrieden bis sehr zufrieden mit dieser Lösungsarchitektur sind. Auffällig ist, dass auch solche Unternehmen, die noch keine Cloud-Lösungen einsetzen, diese dennoch kurz- bis langfristig in ihrer IT Planung mit einbeziehen. Insgesamt ist somit ein positiver Trend der Akzeptanz des Mittelstandes zu Cloud-Lösungen zu erkennen.

Als erster Themenblock wurde das aktuelle Wissen der Teilnehmer rund um Cloud Computing eingeschätzt. Es wurde untersucht, inwieweit Informationen zu Cloud Computing vorliegen und wie ausgeprägt das Verständnis hierfür ist. Gut die Hälfte der befragten Teilnehmer schätzt sein Wissen in Bezug auf die Unterschiede von Cloud Computing zu klassischen Lösungen als gut oder sehr gut ein. Allerdings liegen nur ca. einem Drittel ausreichend Informationen über die zugrundeliegenden Strukturen von Cloud Computing vor. Ergänzt man die Ergebnisse dieser empirische Studie mit weiteren Studien, die vor allem das Wissen von CIOs und CEOs untersucht haben, wird deutlich, dass ein umfangreiches Wissen besonders für mittelständische Unternehmen einen sehr großen Einfluss auf die Entscheidung für das Einsetzen von Cloud Computing Lösungen hat. Durch die Vermittlung umfangreicherer Informationen können Sie dabei unterstützt werden, die Unsicherheit zu minimieren, die mit dem Umgang von Cloud Computing verbunden ist, um in Folge dessen die langfristige Etablierung der Cloud-Thematik im Unternehmen zu sichern.

Eine sehr interessante Erkenntnis aus dieser Befragung ist, dass nicht wie häufig vermutet der Kostenvorteil durch den Einsatz von Cloud Computing für die Befragten im Vordergrund steht, sondern vor allem die Verbesserung der Skalierbarkeit durch Cloud-Lösungen als ein zentraler Vorteil von Cloud-Lösungen angesehen wird. Es zeigt sich, dass die meisten Teilnehmer sich zwar den grundlegenden Eigenschaften der Cloud bewusst sind, nicht aber den möglichen Vorteilen, die ihnen die Cloud bietet. Infolge dessen fühlen potentielle Kunden sich nicht in ausreichendem Maße angesprochen, Cloud Computing aktiv in ihren Unternehmen einzusetzen. Dies macht es wichtig, Ihnen kundenspezifisch je nach Anwendungsfall die Vorteile von Cloud-Lösungen aufzuzeigen und die individuellen Vorteile aufzuzeigen.

Nach Einschätzung der befragten Unternehmen ist insbesondere die Kompatibilität von bestehenden IT Erfordernissen bzw. Regularien zu Cloud Computing ein maßgebliches Kriterium für oder gegen den aktiven Einsatz der Cloud. Besonders wichtig scheint es Entscheidungsträgern zu sein, dass die Konsistenz zur momentan vorhanden IT-Strategie und zur bestehenden IT-Landschaft gegeben sein muss. Dabei geben nur ein Drittel der befragten Unternehmen an, dass dies aktuell der Fall ist und entsprechend die internen IT Regularien von Cloud Computing erfüllt werden. In diesem Zusammenhang geben ebenfalls knapp über die Hälfte der Befragten an, dass die Integration von Cloud-Lösungen zur Anpassung von Unternehmensprozessen führen wird. Um Cloud-Kunden dabei einen möglichst reibungslosen Übergang in die Cloud zu ermöglichen, empfiehlt sich eine Cloud-Integrationsstrategie als Teil der IT-Strategie zu entwickeln, die die bestehenden Prozesse, IT-Infrastrukturen und Anforderungen an Flexibilität und Verfügbarkeit berücksichtigt. Hierbei ist eine enge Zusammenarbeit von Kunden und Cloud-Anbietern nötig, um eine möglichst reibungslose Einführung von Cloud Computing im Unternehmen zu ermöglichen.

Oftmals hält auch die Komplexität von Cloud-Lösungen und deren Folge, wie z.B. zusätzliche Ausbildungskosten der Mitarbeiter die Unternehmen ab, Cloud-Lösungen einzuführen. So geben fast die Hälfte der Befragten an, dass die zusätzlichen Ausbildungskosten der Mitarbeiter ein Hindernis für die Einführung von Cloud Computing darstellt. Oftmals können sie den tatsächlichen Nutzen dieser zusätzlichen Kosten nur schwer einschätzen. Ebenfalls können häufig nur schwer die Auswirkungen auf die bestehende IT-Landschaft bei der Einführung von Cloud Computing von den befragten Entscheidungsträgern abgeschätzt werden. Um diese Auswirkungen möglichst transparent zu halten, können zum Beispiel Standortbestimmung innerhalb ausgewählter IT-Architekturbereiche dazu beitragen, Klarheit über die bestehenden Prozesse und Systeme zu schaffen, potentielle Anpassungen und Optimierungspotentiale durch Cloud-Lösungen aufzuzeigen.

Besonders auffällig an dieser Umfrage ist, dass fast drei Viertel der Befragten sich vorstellen können integrative Prozessschnittstellen (z.B. zu externen Partnern, Handelsplattformen oder webbasierenden Servicedienstleistern) in die Cloud zu legen. Aber auch über die Hälfte der Befragten geben an, dass Cloud-Lösungen nicht in die Unternehmensprozesse nahtlos eingebunden werden können. Zusätzlich befürchten über die Hälfte der Befragten einen schwerwiegenden Systemwechsel in der Nutzung von unterschiedlichen Cloud-Lösungen. Dies bedeutet für die Kunden solcher Cloud-Lösungen, dass angelehnt an die bereits erwähnte Cloud-Integrationsstrategie deren Umsetzung die Prozessintegration unterstützt sowie eventuelle Systembrüche weitestgehend minimiert werden müssen. Die Schaffung der damit verbundenen Integrationsbasis unterstützt dabei in Zusammenarbeit mit IT-Dienstleistern die erfolgreiche Einführung geschäftsprozessrelevanter Dienste aus der Cloud.

Ein von Unternehmen häufig genannter Kritikpunkt von Cloud-Lösungen stellt die schwer einzuschätzende Datensicherheit der Cloud dar. Somit ist es auch nicht verwunderlich, dass deutlich mehr als die Hälfte der Befragten die Datensicherheit von Cloud-Lösungen als kritisch einschätzen und keine sensiblen Daten in die Cloud verlagern würden. Nur ein Fünftel der Befragten schätzt die Datensicherheit als derzeit ausreichend ein. Trotz hoher Sicherheitsbedenken konnte kein Zusammenhang zwischen dem Grad der Datensicherheit und einer Erhöhung / Verringerung in der Nutzung von Cloud-Diensten festgestellt werden. Offensichtich scheint das Thema Datensicherheit weder als Treiber noch als Verhinderer von Cloud-Diensten für die Unternehmen eine Rolle zu spielen. Dies könnte daran liegen, dass Cloud Computing-Lösungen ständigen Verbesserungen unterliegen und hierdurch ihre Sicherheit nahezu in einem ähnlichen Stadium wie die Sicherheit von on premise (eigenbetriebenen) Lösungen einzuordnen sind. Nichts desto trotz muss ein Security-Konzept ein fester Bestandteil einer jeden Cloud-Strategie sein, mit dem sich Unternehmen intensiv auseinandersetzen sollten.

Um den erfolgreichen Einsatz von Cloud-Lösungen in Unternehmen zu gewährleisten, ist vor allem die Unterstützung der Unternehmensleitung im Sinne einer positiven Grundhaltung, ausreichenden Ressourcen und der Entwicklung einer positiven Einstellung im Gesamtunternehmen für Cloud-Lösungen sicherzustellen. Interessanterweise sind ein Drittel der Unternehmensleiter sich der Vorteile von Cloud Computing-Lösungen bewusst, allerdings fördern nur ein Zehntel der Befragten Unternehmen aktiv den Einsatz von Cloud-Lösungen. Insgesamt weisen nur Unternehmen mit hohem Management Support zum Thema Cloud eine höhere Nutzung von Cloud-Lösungen auf. Folglich müssen potentielle Cloud-Kunden eine sensibilisierende Strategie im Hinblick auf die Cloud-Lösungen anstreben, um eine erfolgreiche Einführung von Anfang an zu sichern.

Innerhalb dieser Studie wird deutlich, dass der Wettbewerbsdruck vermutlich kein Faktor für den verstärkten Einsatz von Cloud-Lösungen ist. Insgesamt fühlen sich weniger als ein Zehntel der Befragten durch den Wettbewerb gedrängt Cloud-Lösungen einzusetzen. Allerdings sehen aber auch etwa ein Viertel der Befragten einen Wettbewerbsvorteil im Einsatz von Cloud-Lösungen gegenüber ihren Konkurrenten. Hierbei ergeben sich insbesondere für frühe Akzeptanzträger dieser Technologie („Early Adopter“) Vorteile in dem Sinne, dass sie sich bereits früh mit Problematiken auseinandergesetzt haben und mögliche Lösungsstrategien entwickelt haben. Da in Zukunft mit einem positiven Trend von Cloud Computing gerechnet werden kann und somit auch immer mehr Mittelstandsunternehmen von den Vorteilen profitieren wollen, wird folglich auch der Druck auf die bestehenden Unternehmen steigen. Demnach können sich in dieser Situation gerade solche Unternehmen herausstellen, die sich bereits frühzeitig mit dieser neuen Situation und Technologie auseinander gesetzt haben.

Insgesamt zeigt diese Studie, dass eine enge Zusammenarbeit zwischen den potentiellen Kunden und den Cloud-Anbietern entstehen muss, um eine möglichst effektive und reibungslose Einführung von Cloud-Lösungen in Unternehmen zu gewährleisten. Um eine Standardisierung auch in der Nutzung von Cloud-Lösungen zu gewährleisten, sollten Kunden daher auf ein größeres Dienstleistungsspektrum durch die Cloud Anbieter achten, um den Sprung in die Cloud möglichst effizient und einfach zu meistern.

Wenn Sie an den Ergebnissen dieser Studie im Detail interessiert sind, schicken Sie bitte eine kurze Mail an blogit@itelligence.de.

– von Martin Tieves, itelligence AG –

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