ABAP Eclipse, das neue Schweizer Taschenmesser der SAP – Teil 2

– von Daniel Schön, Senior SAP Consultant Developement, itelligence AG –

In Teil eins meiner Blogserie habe ich Ihnen Eclipse als stabile und benutzerfreundliche und beliebte Plattform für (Java)-Entwickler vorgestellt. Am Ende des ersten Teils habe ich eine Frage in den Raum gestellt, die sich sicherlich einige unter den Lesern fragen werden: „Wenn Eclipse das gleiche wie die SE80 leistet, warum sollte ich umsteigen?“

Auf diese Frage gibt es drei Antworten.

Die wahrscheinlich unbefriedigendste ist: Weil die Strategie der SAP (im Moment) Eclipse als die Entwicklungsplattform der Zukunft sieht. Auf kurz oder lang bedeutet das, dass wir nicht drum herum kommen, uns mit Eclipse zu beschäftigen. Die SE80 bleibt zwar weiterhin verfügbar. Die großen Innovationen sind derzeit aber eher im Bereich von Eclipse zu erwarten.

Die zweite Antwort ist: Eclipse ist moderner als die SAP GUI. Die SAP GUI und die SE80 sind Tools, die sich über viele Jahre entwickelt und etabliert haben. Ich will keinen Glaubenskrieg lostreten, aber die Bedienparadigmen, die bei der SE80 zugrunde liegen, basieren auf Rechnern mit begrenzten Ressourcen und Auflösungen. Das sehen wir spätestens, wenn wir ABAP auf einem Full HD (oder noch höher auflösenden) Monitor verwenden. Wird dieser nicht gerade hochkant verwendet, bleibt sehr viel Fläche ungenutzt. Eclipse basiert auf einem modularen Fensterprinzip, bei dem wir unsere Oberfläche beliebig zusammenstellen und anordnen und diese Anordnung in Perspektiven sichern können. Damit ist es viel leichter, gleichzeitig die Informationen auf dem Monitor darzustellen, die man gerade benötigt. Dies ist nur ein Beispiel. Festzuhalten ist aber, dass Eclipse nicht an die Bedienparadigmen der SAP-GUI gebunden ist. Daher können gänzlich andere Bedienkonzepte zum Einsatz kommen.

Eclipse hat zudem einen großen Vorteil gegenüber der SAP GUI. Es ist eine offene Plattform und dazu gedacht, über Plugins von Entwicklern erweitert zu werden. In Verbindung mit der ABAP Entwicklungs-API, die von der SAP mit dem letzten Release der ABAP in Eclipse Tools frei gegeben wurde, ist es somit möglich, seine eigenen Entwicklungstools zu schreiben oder bestehende zu erweitern (siehe http://scn.sap.com/community/abap/eclipse/blog/2012/10/12/abap-development-tools-sdk & http://scn.sap.com/docs/DOC-41168).

Das wahrscheinlich beste Argument, Eclipse zumindest auszuprobieren, ist aber, dass die Entwicklung von AIE nicht bei den Features der ABAP Development Workbench endet. Bereits jetzt gibt es viele (Detail-)Verbesserungen, die uns das Leben beim Entwickeln von Web Dynpros deutlich leichter machen können.

Meine bisherigen persönlichen Top 3 sind:

  1. Mehrfachauswahl und gleichzeitiges Editieren von mehreren UI-Elementen in Web Dynpro
  2. Refactoring Optionen in ABAP Objects (insbesondere das umbenennen von variablen und das Extrahieren von Methoden).
  3. Der neue Kontexteditor in Web Dynpro (Bessere Grafisches Mapping, verbesserte Navigation).

Dazu kommen ähnliche Verbesserungen im Bereich von ABAP Objects und Report Programmierung. Und die Entwicklung ist noch in vollem Gange. Es ist zu erwarten, dass die ABAP Development Tools auf kurz oder lang ähnlich mächtige Refactoring Werkzeuge bieten, wie sie bereits aus der Java Welt bekannt sind.

Einzig die hohen Anforderungen an das Backend können die Freude an der neuen Entwicklungsumgebung trüben. Um ABAP in Eclipse verwenden zu können, wird SAP NetWeaver AS ABAP 7.03/7.31 SP4 vorausgesetzt. Web Dynpro ABAP in Eclipse verlangt sogar einen Web AS der Version 7.40. Allerdings gibt es bereits Bestrebungen, diese Anforderungen nach unten zu schrauben.

Während es bei der ABAP-Entwicklung die Alternative gibt, in der ABAP Development Workbench zu arbeiten, kommt man bei vielen der neuen Themengebiete so gut wie gar nicht mehr um Eclipse herum.

Mit SAPUI5 bietet SAP ein HTML5 basiertes Framework zur Entwicklung von neuen Oberflächen an. Zwar ist die Entwicklung von UI5-Applikationen prinzipiell auch in einem Texteditor möglich. Aber dies ernsthaft in einer größeren Entwicklung betreiben zu wollen, grenzt eher an Selbstgeißelung und kann nicht wirklich empfohlen werden.

Das SAPUI5 Eclipse-Plugin unterstützt den Entwickler mit neuen Assistenten, die einiges an Arbeit beim Erstellen neuer Anwendungen abnehmen. Zudem bieten verschiedene (non-SAP) Plugins Unterstützung beim Erstellen von HTML-, Java Script- und CSS-Dateien.

AIE 1

Über die Integration mit dem neuen SAPUI5 ABAP Team Provider können die neu erstellten HTML-Anwendungen leicht auf dem Netweaver Web AS hochgeladen (Deployed) und direkt getestet werden.

SAPUI5 und SAP Netweaver Gateway bilden eine nahezu perfekte Einheit, wenn es darum geht, ERP Daten benutzerfreundlich zur Verfügung zu stellen. Eclipse unterstützt den Anwender dabei mit dem Netweaver Gateway Productivity Accelerator für Eclipse.

Ein Assistent bietet die Möglichkeit, auf Basis eines bestehenden Gateway Services eine neue UI5 Anwendung zu erstellen. Mit nur wenigen Mausklicks erscheinen die ersten Daten auf dem Bildschirm.

AIE 2

Ähnlich einfach lassen sich Grundgerüste für native Android- oder iOS-Anwendungen generieren. Abgerundet wird das Plugin mit einem Assistenten zur Erstellung von PHP und Java Gateway Proxys.

Auch das Modellieren neuer bzw. die grafische Anzeige bestehender oData Services wird bereits durch den Productivity Accelerator unterstützt. Und weitere Tools sind auch hier bereits auf dem Weg.

Abgerundet wird das Plugin-Paket durch das SAP HANA Entwicklungsstudio

Links

http://scn.sap.com/community/abap/eclipse/blog/2013/04/05/eclipse-vs-se80-comparison–why-eclipse-wins

http://scn.sap.com/docs/DOC-41168

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