Das Gold liegt in den Geschäftsprozessen: der erfolgreiche Einsatz von Business Process Modeling 2.0 am Beispiel der SAP Language Services

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In den meisten Unternehmen hat sich mittlerweile die Erkenntnis durchgesetzt, dass es nicht nur die Produkte und Dienstleistungen eines Unternehmens sind, die ein Alleinstellungsmerkmal bilden – der reibungslose Ablauf von Geschäftsprozessen ist ebenso wichtig. Je besser die Automatisierung der Prozesse, desto größer der Vorsprung am Markt. Das Haupt-Augenmerk sollte hierbei jedoch nicht auf den Standardprozessen liegen, denn diese sind durch die Verwendung eines ERP oder CRM im allgemeinen hinreichend abgedeckt und unterscheiden sich nicht von denen der Konkurrenz – einen wirklichen Unterschied macht erst die Digitalisierung jener strategischer Geschäftsprozesse, die für das Unternehmen individuell sind.

Für die Kommunikation zwischen Fachanwender und IT-Entwickler hat sich die grafische Spezifikationssprache Business Process Model and Notation (BPMN) als Standard durchgesetzt. Anhand von Symbolen und Lanes lassen sich damit Prozessmodellierungen erstellen, die für beide Seiten gleichermaßen leicht verständlich sind und die trotzdem einen hohen Detaillierungsgrad ermöglichen. Jedoch treten bei der Automatisierung von Prozessen mittels BPMN in der Praxis häufig Probleme auf: Der Fokus der Prozessanalysten liegt vor allem auf der Umsetzung der Abläufe an sich, während die Entwickler die technischen Aspekte im Auge haben. Sollte es dann dazu kommen, dass im Lauf der Prozessmodellierung bestimmte Punkte von beiden Seiten „nachgebessert“ werden müssen, kann dies die Umsetzung gravierend verzögern und sehr kompliziert gestalten.

Um dieser Problematik zu begegnen, wurde von Dr. Volker Stiehl die Methodik der Process-Driven Applications in BPMN entwickelt. Basis dieses Prinzips bildet die Einführung eines sogenannten Service Contract Layers – eine Schicht mit definierter Input- und Output-Schnittstelle, die speziell für die technischen Details der Anwendung zuständig ist. Diese Trennung von Business Process und zugrundeliegender Technik bringt ein großes Plus an Flexibilität: der Fokus bleibt auf einer gradlinigen Umsetzung der geforderten Prozessabläufe, während die darunterliegende technologische Ebene stets verändert oder ausgetauscht werden kann.

Prozessgesteuerte Anwendung | BPMN 2.0

Grafik prozessgesteuerte Anwendung BPMN
Quelle: SAP – Dr. Volker Stiehl

 

Am Beispiel der SAP Language Services (SLS) lässt sich aufzeigen, wie sich mit dieser Methodik eine erfolgreiche Prozessumsetzung realisieren lässt: SLS gehört zu den SAP Globalization Services und bietet mit seinen weltweiten Niederlassungen Sprachen-Services für alle SAP-Softwareprodukte, Marketing und Konzernkommunikation in 39 Sprachen an. Dabei arbeitet SLS mit über 2800 muttersprachlichen Übersetzern und stellt auf diese Weise sicher, dass lokalisierte Übersetzungen in den jeweiligen Ländern „wie in Originalsprache“ erstellt wirken. (Lesen Sie hierzu auch unseren Projektbericht)

In der Vergangenheit sorgten der Einsatz unterschiedlichster Übersetzungssysteme und zu übersetzender Medien hier für einen hohen manuellen Aufwand und somit eine hohe Belastung im Tagesgeschäft. So wurde beschlossen, die vorhandenen Systeme zu homogenisieren und manuelle Prozesse, wie z.B. Verfügbarkeitsanfragen an Übersetzer weitestgehend zu automatisieren.

Unter Verwendung des Signavio Process Editor wurden die vorhandenen Fachprozesse nach der Methodik der Process-Driven Applications modelliert und einer Analyse unterzogen, um auf Basis der Erkenntnisse zu definieren, welche Abläufe in Form einer prozessorientierten Fiori-Anwendung automatisiert werden konnten. Da Fiori die Möglichkeit bietet, mit Hilfe von Powerpoint-Templates ein Mock-Up einer Anwendung zu erzeugen, konnten die Fachanwender das finale Design ihrer fertigen UI selbst bestimmen, was für eine sehr große User-Akzeptanz sorgte. Durch diesen Ansatz ließen sich auch bereits im Vorfeld die technische Anforderungen an die Machbarkeit der modellierten Prozesse untersuchen, was die Zeit zwischen Konzeption und Umsetzung entscheidend verkürzte. In nur acht Monaten konnten auf diese Weise über 60 Geschäftsprozesse automatisiert und über 600 ABAP-basierte Übersetzungssysteme integriert werden. Durch die Trennung von Business Process und technischer Ebene in der Prozessplanung ist SLS nun in der Lage, auch sich dynamisch verändernde, sehr große und differenzierende Prozesse zu automatisieren, was einen hohen Grad an Skalierbarkeit zulässt. Bedingt durch die Tatsache, dass der angewendete Prozess stets seiner Dokumentation entspricht, können Änderungen wesentlich einfacher durchgeführt werden.  Die automatisierten Modelle entsprechen in jeder Hinsicht sowohl den Ansprüchen der Fachanwender wie auch denen der IT-Entwickler.


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-von Philipp Domeratzki, Team Manager Process Orchestration, itelligence AG-
E-Mail: Philipp.domeratzki@itelligence.de

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