Der Mensch übernimmt die Verantwortung – nicht die Maschine

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Am zweiten Tag der itelligence World 2016 hielt Professor Volker Stich die Keynote. Er ist Geschäftsführer des Forschungsinstitut für Rationalisierung an der RWTH Aachen und Direktor des Cluster Smart Logistik. itelligence und das FIR sind eng miteinander verbunden, itelligence ist ein sogenanntes „immatrikuliertes Mitglied“; gemeinsam erarbeiten wir Automatisierungslösungen für die Industrie.

Ein wichtiger Aspekt in Professor Stichs Vortrag war Robotik. „Als ich auf Video gesehen habe, dass sich Roboter wieder aufrichten oder auch selbstständig das Gleichgewicht halten können, habe ich verstanden, dass es einen Umbruch in der Industrie geben wird. Das autonome und selbstlernende System ist keine Vision mehr, es existiert tatsächlich“, berichtete Professor Stich den Gästen unserer Konferenz.

Nach dem Vortrag hatte ich die Gelegenheit zu einem Gespräch mit Professor Stich und habe ihn auf diesen Umbruch angesprochen. Ob denn aus seiner Sicht analog zu einem Roboter – der sich selbstständig wieder aufrichtet – eine Produktionsanlage, die einen Defekt hat, sich selbst reparieren könne?

„Wovon wir träumen, ist die Autonomie des Produktionssystems“, führt Professor Stich in unserem Gespräch aus. „Wenn heute die Produktion auf Grund von Schäden, Defekten, Qualitätsmängeln, Nichtverfügbarkeit von Produktionsmaterial und ähnlichem mehr aus einem vorgegebenen Produktionsplan rausläuft, überlegen die Verantwortlichen, wie sie zurück in den Produktionsplan kommen.“ Es gehe aus seiner Perspektive nicht um technologische Funktionen, sondern um die Planungskomponente.

In seinem Vortrag hatte Stich den „digitalen Zwilling“ vorgestellt – ein virtuell abgebildeter Idealzustand, der ständig mit der Realität abgeglichen werde. Wenn die Planung aus dem Ruder läuft, zeige sich das an einer Differenz zwischen dem digitalen Zwilling und dem tatsächlichen Zustand.

„Wir wollen mit Hilfe des digitalen Zwillings die Steuerung durch die Regelung ersetzen“, erklärt mir Professor Stich. „Die in den ERP-Systemen inhärente mittelwertbasierte Betrachtung sehen wir als ein Auslaufmodell. Die zukünftige Autonomie des Produktionssystems wird nur auf Basis einer Regelungskomponente funktionieren. Wir sind mit Hochdruck dabei, das zu durchdringen.“

Professor Stich gab in seinem Vortrag zu bedenken, dass im Moment alles auf einen ganz neuen Konflikt hinauslaufe – dem Konflikt zwischen der Intelligenz der Maschine und der Intelligenz des Menschen. Ich frage, wo aus seiner Sicht die Schnittstelle zu verorten sei, an der Maschine und Mensch aufeinandertreffen. Mich interessiert, wie sich beide vertragen und gemeinsam an einem Problem arbeiten. Und an welcher Stelle sie in Konkurrenz zueinander stehen.

„Die Produktionsverantwortlichen benötigen eine Situationsanalyse, die sie auf Grund ihrer Erfahrung validieren“, sagt Professor Stich. „Hier sehe ich die Schnittstelle, nach der Sie fragen. Die Herausforderung ist, dass die Komplexität seit Jahren dramatisch zu nimmt. Aufgabe des Systems ist es, einen Lösungsvorschlag und alle Alternativen zu berechnen. Dann entscheidet der Verantwortliche ‚ich fahre Track A oder B oder C‘.“

Die Rolle des Menschen ist offensichtlich, die Entscheidungen auf Grund von maschinellen Analysen zu treffen – aber es gibt natürlich eine weitere Rolle, die menschliche Intelligenz erfordert. Ich frage Professor Stich nach der Programmierung dieser Systeme – denn das ist genau unsere Kernkompetenz bei itelligence.

„Ich bin überzeugt, dass wir von den heutigen komplexen Programmierungen – Line of Codes – wegkommen zu deutlich leichteren Strukturen der Kombinatorik“, sagt Professor Stich. „Die lineare Programmierung wird durch neuronale Strukturen zunächst ergänzt und später vielleicht sogar ersetzt. Die sind eben nicht fest verdrahtet, sie ändern ihre Konfiguration ständig.“

Professor Stich denkt kurz nach. „Das heißt, auch die Art wie wir programmieren wird sich dramatisch ändern. Wir werden ein System entwickeln, das mit Daten umzugehen weiß und diese Daten nutzt. Das Auslesen dieser Daten, das Arbeiten mit diesen Daten und vor allem das Erkennen von Mustern, ist heute schon vorstellbar. Dieses System zu entwickeln, ist die Aufgabe eines Menschen – das ist der Data Scientist.“

Allerdings – mit der Autonomie einer Produktion werden sich die Spielregeln ändern. „Dann müssen wir den Konflikt zwischen maschineller und menschlicher Intelligenz lösen. Das passiert aber erst in einigen Jahren“, ist Professor Stich überzeugt. „Im Moment und in der jetzigen Konstellation ist der Mensch der Entscheider. Und zwar auf Grund seines komplexen Denkens, seines Erfahrungswissen und seiner Verantwortungsübernahme. Heute übernimmt ein System keine Verantwortung, diesen Aspekt können wir niemals beiseitelassen.“


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– von Silvia Dicke, Public Relations, itelligence AG –

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