Erfolg mit IoT – ROI heisst nicht nur Kosten senken

Erfolg mit IoT – ROI heisst nicht nur Kosten senken

Controller lieben das: Ihr Unternehmen implementiert ein neues System für die Elektronische Rechnungsbearbeitung, mit dem sich sämtliche Rechnungen und die dazugehörigen Vorgänge digitalisieren lassen. Die Einführung kostet 50.000 Euro. Durch den Einsatz sinken die jährlichen Kosten für Papier, Druck, Archivierung und Personal um 25.000 Euro. Damit hat sich die Investition nach zwei Jahren amortisiert. Danach spart das Unternehmen jedes Jahr 25.000 Euro. Der Return on Investment (ROI) liegt klar auf der Hand, die Controller sind überglücklich.

IoT ist keine Plug-and-Play-Lösung

Wenn es um Investitionsentscheidungen geht, ist der ROI eine Kennzahl, an der kein Weg vorbeiführt. Kein Wunder also, dass die Verantwortlichen in den Unternehmen so auch versuchen, den Sinn von IoT-Projekten einzuschätzen. Anders als im DMS-Fall ist das hier aber nicht ganz so simpel. Denn IoT ist keine Plug-and-Play-Lösung, die sich einfach mal so in die bestehende Systemlandschaft integrieren lässt. In der Regel kommen unterschiedliche Technologien zum Einsatz – je komplexer das zu realisierende IoT-Szenario, umso mehr. Und wer die digitale Transformation des gesamten Unternehmens in den Blick nimmt, kann kaum noch mit Sicherheit sagen, welche Applikationen und Devices dabei eine Rolle spielen. Hinzu kommt die ungeheure Geschwindigkeit der Entwicklung: Wenn heute ein Projekt angestoßen wird, ist nicht sicher, dass die eigentlich vorgesehenen Technologien zur Halbzeit noch aktuell sind – vielleicht wurde das Smartphone als Device für die Servicemitarbeiter im Feld längst durch die Datenbrille abgelöst. Kurz gesagt: Es ist eine echte Mammut- und fast immer auch Sisyphosaufgabe, den Invest von IoT-Projekten zu bestimmen.

Noch schwieriger ist es mit dem R aus der Gleichung. Mehr noch: Den Return des IoT-Invests seriös und zahlenbasiert zu kalkulieren, ist nahezu unmöglich. Für viele IoT-Projekte bedeutet das ein frühes Aus. Denn wenn der Benefit nicht vorhersagbar ist, fehlt häufig der Mut. Das ist aus Sicht der Verantwortlichen verständlich – zumal in den etablierten Unternehmensstrukturen und angesichts der in Deutschland kaum ausgeprägten Fehlerkultur. Die Unternehmen lassen damit aber eine Menge Potenzial liegen. Und das vor allem, weil IoT-Projekte weit mehr Return generieren als gesenkte Kosten oder gesteigerte Umsätze. Die Effekte von IoT sind enorm vielschichtig, bedingen sich oft gegenseitig und lassen sich kaum fassen. Wir haben dennoch versucht, den IoT-ROI systematisch darzustellen – auch wenn das eine Annäherung bleibt.

Prozessoptimierung und -automatisierung

Mithilfe von IoT-Maßnahmen lassen sich bestehende Prozesse digitalisieren und damit weiter automatisieren. Außerdem können neue Prozesse aufgebaut und etabliert werden. Eine zentrale Rolle spielen dabei die unzähligen Daten, die nicht nur die Prozesse Schritt für Schritt vorantreiben, sondern auch als Basis für systembasierte Entscheidungen dienen oder Entscheidungen von Menschen vorbereiten. All das trägt zu einer Steigerung der Effizienz bei – geringere Kosten, mehr Umsatz, höherer Gewinn. So weit, so auch aus herkömmlichen IT-Projekten bekannt. IoT-optimierte Prozesse können zusätzlich dazu beitragen, dass die Ergebnisse der Prozesse besser werden. Ein Smart-Farming-Beispiel: Werden Felder auf Basis von Daten und mithilfe von intelligenten Traktoren bestellt, gedüngt und bewässert, steigert das den Ernteertrag. Das ist nicht nur ein Umsatz-Argument, sondern löst in vielen Regionen dieser Erde existenzielle Probleme. Und noch ein Effekt von Prozessoptimierungen: Die Zufriedenheit von Kunden und Mitarbeitern steigt, wenn Interaktionen schnell und bequem gelingen. All das ist heute schon möglich. In der Zukunft geht aber noch viel mehr. Dann können sich Prozesse auf Basis von Daten und mithilfe von Algorithmen – Stichwort Machine Learning – kontinuierlich selbst optimieren.

Gelungene Zusammenarbeit

Eine wichtige Bedingung für erfolgreiche Interaktionen ist, dass die jeweils relevanten Informationen so abgelegt sind, dass die jeweiligen internen oder externen Stakeholder orts- und zeitunabhängig darauf zugreifen können. Das gilt für die Zusammenarbeit von verschiedenen Fachbereichen innerhalb eines Unternehmens, für die Kooperation von unterschiedlichen Unternehmen und für das Verhältnis zwischen Kunden und Unternehmen. Auch dazu ein Beispiel, diesmal aus dem Industrie-Umfeld: Wenn die Betreiber, Hersteller und Service Provider von Maschinen und Anlagen auf eine identische Datenbasis zugreifen können, profitieren davon alle – etwa indem die Qualität der Instandhaltung steigt oder neue Services möglich werden.

Wertvoller Erkenntnisgewinn

IoT-Technologien sind in der Lage, sämtliche Prozesse in Echtzeit abzubilden und Daten ad hoc zu analysieren. Auf diese Weise lassen sich nicht nur akute Fehlentwicklungen sofort erkennen und beheben – beispielsweise stillstehende Maschinen. Die gesammelten Daten können auch zu wertvollen Erkenntnissen verdichtet werden, die zur kontinuierlichen Verbesserung aller möglichen Aspekte dienen. Wer etwa die Daten seiner Maschinen und Anlagen sammelt und mit innovativen Analysemethoden auswertet, kann eine vorausschauende Wartung aufbauen und ungeplante Stillstände ganz vermeiden. Und wer das Kundenverhalten systematisch analysiert, kann nicht nur seine Marketingstrategie und die Vertriebswege optimieren. Er kann das Wissen auch nutzen, um neue Services und Produkte zu entwickeln, die exakt zum Bedarf der Kunden passen.

Neue Dienstleistungen und Produkte

Solche neuen Services und Produkte basieren häufig auf IoT-Technologien oder beinhalten sie. So ist es beispielsweise beim schon erwähnten Predictive Maintenance: Die Daten werden von intelligenten Maschinen und Anlagen gesammelt und in eine Plattform übermittelt, auf die Betreiber, Hersteller und Service Provider Zugriff haben. Die Service Provider könnten auf dieser Basis ihr Portfolio erweitern und die vorausschauende Wartung als neue Dienstleistung anbieten. Sie behalten sämtliche Assets im Shopfloor im Blick und sind rechtzeitig vor Ort, um Ausfälle zu verhindern. Bei den Produkten drängen sich die Connected Cars auf – vor allem, weil die Entwicklung schon sehr weit ist und es einige Modelle mit gehöriger Strahlkraft gibt. Das Prinzip lässt sich aber im Grunde beliebig ausweiten: Früher oder später werden alle analogen Gegenstände mit einer digitalen Komponente ausgestattet sein. Unternehmen, die hier frühzeitig mitmischen, können für sich eine attraktive Marktstellung erobern und neue Kundengruppen gewinnen.

Neue Geschäftsmodelle

Sehr eng mit neuen Dienstleistungen und Produkten sind neue Geschäftsmodelle verknüpft. Automobilhersteller, die heute ihr Geld mit dem Verkauf von Fahrzeugen verdienen, könnten sich zu Mobilitätsanbietern wandeln – viele sind schon auf dem Weg in diese Richtung. Ein wichtiger Aspekt bei vielen neuen Geschäftsmodellen ist die Art, wie Kunden und Unternehmen in einer geschäftlichen Beziehung zueinander stehen. Bislang dominiert hier der Verkauf beziehungswiese Kauf eines Produkts – siehe Automobilhersteller. Vieles deutet aber darauf hin, das sich künftig Pay-per-Use-Modelle durchsetzen. Bei Musik und Filmen ist das schon so: Menschen kaufen immer weniger CDs oder DVDs, sondern nutzen Spotify und Netflix. Interessant ist dieses Beispiel auch, weil es zeigt, wie die unterschiedlichen IoT-Technologien zusammenhängen: Streaming-Dienste funktionieren nur deshalb, weil Menschen IoT-Devices – nämlich Tablets, Laptops oder Smart-TVs – nutzen, weil die Telekommunikationsprovider eine hohe Bandbreite zu einem günstigen Preis anbieten und weil es Cloud-Anbieter ermöglichen, gewaltige Contentmengen bereitzustellen.Der Return, den IoT-Projekte bieten, hat also viele Facetten und geht weit über das hinaus, was bislang üblich ist. Dass sich viele Unternehmen dennoch schwer tun, IoT auf den Weg zu bringen, ist verständlich. Denn vieles ist einfach unbekannt. Deshalb raten wir dazu, zunächst einmal mit einem übersichtlichen Pilotprojekt zu starten. Die Kosten bleiben dabei im Rahmen, die Einführungszeit ebenso. Und es zeigt sich schnell, welchen Nutzen ein IoT-Szenario für das eigene Unternehmen bringt. Diese Erfahrung ist viel mehr wert, als sämtliche Texte über den ROI von IoT. Diesen eingeschlossen.

– von Hans Rauwolf, Leitung Geschäftsfeld Industrie 4.0 / IoT, itelligence AG –
E-Mail: Hans.Rauwolf@itelligence.de

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