EWM: Die Story von intelligenten Materialflüssen und flexiblen Lagerprozessen

Image Lager

Die immer weiter zunehmende Komplexität der Märkte hat in den letzten Jahren zu einer Vielzahl von neuen Herausforderungen für den Bereich der Logistik geführt. Die Aufgaben einer Planungs- und Steuerungssoftware für Lagerlogistik sind schon lange über das bloße Verwalten von Beständen und der Koordination des Versands hinausgewachsen – internationale Beschaffungsnetzwerke, eine immer stärkere Einbindung von Fremddienstleistern und stetig steigende Kundenerwartungen erfordern von einem heutigen Unternehmen mehr Flexibilität und Transparenz bei der Koordination seiner logistischen Prozesse als je zuvor.

Das SAP Logistics Execution System (LES) ist eine Anwendung für Lager- und Distributionslogistik im ERP-System. Im LES arbeiten verschiedene Module für Lagerverwaltung (LE-WM, das Warehouse Management, welches auf der Materialwirtschaft fußt und in das ERP integriert ist) sowie für Versand (LE-SHP) und Transport (LE-TRA). Als sich im Jahr 2004 und 2005 in den USA die Großunternehmen Ford und Caterpillar für die Implementierung einer anspruchsvollen Ersatzteil-Logistik-Implementierung an SAP wandten, zeigte sich schnell, dass die herkömmliche Lösung im SAP ERP nicht ausreichte, um die hochkomplexen Prozesse im Ersatzteilmanagement dieser Firmen ausreichend abzubilden. Dies war einer der  Gründe warum SAP eine Reihe von sogenannten Business Functions entwickelte, um die Funktionalitäten des LES bedeutend zu erweitern – wie das  Transport and Ressourcemanagement um interne Transportwege sehr granular abbildbar zu machen oder Möglichkeiten zur Realisierung logistischer Zusatzdienstleistungen (wie z.B. Umverpackung oder Umetikettierung am Warenausgang).

Vom LES zum SCE

  • Das Logistics Execution System (LES) ist das SAP Anwendungsmodul für Lager- und Distributionslogistik (ausführende Logistik) im ERP-System
  • Das Supply Chain Execution System (SCE) ist die Lösungslandschaft für die Lager- und Distributionslogistik innerhalb und außerhalb des SAP ERP-Systems

Grafik EWM, LES, SCE

In der heutigen Version dieser Supply Chain Execution Plattform (SCE) finden sich mehrere Produkte vereint: Zum einen natürlich das Extended Warehouse Management (EWM), eine Weiterentwicklung des bisherigen WM, inklusive der unterschiedlichen Business Functions, sowie das Transport Management, das erweiterte Funktionen der externen Transportplanung zur Verfügung stellt – hier können sich z.B. Spediteure anmelden, Ankunftsdaten abgeben oder sich an Frachtbörsen für den Versand von Ware bewerben. Mit „Track & Trace“ wird die Plattform um die Nutzbarmachung jeglicher Nachverfolgungspunkte an der Supply Chain entlang bereichert. In diesen Bereich fallen auch die Nutzung von RFID-Technologien und dem globalen Chargenmanagement. Zusätzlich enthält die SCE Plattform nun auch ein als Stand-Alone erhältliches Yard Management, welches es ermöglicht, Faktoren wie Fahrzeugdisponierung oder Torbelegung transparent darzustellen und so die Planung der Be- und Entladungen sowie der Bewegungen auf dem Frachthof zu verbessern.

Die Entwicklung des EWM wurde in der Entstehungsphase von SAP nicht als Ablösung des klassischen WM verstanden; es ging vielmehr darum, mit diesem Werkzeug Prozesse steuerbar zu machen, die über die „normalen“ Lagerprozesse hinausgehen. So ist es im EWM beispielsweise möglich, verschiedenste Prozesse und Bewegungen im Lager in ihren Einzelschritten auf das Layout des Lagers und der genutzten Ressourcen individuell zu parametrisieren – im herkömmlichem WM hätte dies die Entwicklung spezialisierter Zusatzlösungen erfordert. Unter Nutzung der SAP HANA-Plattform erlaubt ein integriertes Labor Management das präzise Planen von Arbeitskapazitäten und Gerätenutzung, zudem ist EWM „ab Werk“ mit unterschiedlichsten Cross-Docking-Szenarien kompatibel.

Angesichts der immer höheren Anforderungen des Marktes bringt EWM also eine Menge Funktionalitäten, die nun auch immer interessanter für Unternehmen werden, die bisher mit der ursprünglichen, einfachen WM-Lösung auskamen. Vor allem aber mit Blick auf die Zukunftsfähigkeit der verwendeten Systeme sollten Logistiker die Einführung eines EWM in Betracht ziehen, denn während an der Entwicklung von WM bereits seit einigen Jahren nicht mehr weitergearbeitet wird, sieht die Roadmap von EWM auch für die kommenden Jahren kontinuierliche Weiterentwicklungen und neue Releases vor, die das Produkt noch um zusätzliche Funktionalitäten erweitern werden, wie z.B. die vor kurzem eingeführten Möglichkeiten einer Lagerleistungsabrechnung (Aktivitäten des Lagers können bepreist und in Rechnung gestellt werden) oder eine direkte MFS-Anbindung (Materialflusssteuerung) auf TCP/IP-Level. Im aktuellsten 1610-Release des SAP S/4HANA Enterprise Management wird EWM sogar als integrierter Bestandteil gleich mitgeliefert – das einfache WM hingegen wird unter SAP S/4HANA dann nach und nach verschwinden. Neuste Informationen sprechen heute von einem Wartungsende ab Dezember 2025.


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– Mersun Sezer, Leitung Fachgebiet Lager- und Transportmanagement, itelligence AG –
E-Mail: Mersun.Sezer@itelligence.de

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