IoT-Ökosysteme – Harmonisierung für den Erfolg

IoT-Ökosysteme – Harmonisierung für den Erfolg

In den vergangenen Jahren haben sich die Geschäftsmodelle enorm gewandelt. Denn im Zuge der Digitalisierung wurden nicht nur immer mehr Dinge immer stärker vernetzt. Auch die Kooperation hat zugenommen und ist wesentlich komplexer geworden – innerhalb eines Unternehmens und zwischen verschiedenen Unternehmen. Entstanden sind so unter anderem individuelle Produkte und Dienstleistungen, die die Kunden von heute auch ganz selbstverständlich erwarten. Damit aber die intensivierte Zusammenarbeit zwischen Abteilungen und Unternehmen gelingt, muss eine Voraussetzung erfüllt sein: Die unterschiedlichen Ökosysteme – also die geschlossenen Systeme aus Prozessen, IT-Lösungen und Devices, die jede Organisationseinheit für sich etabliert hat – müssen aufeinander abgestimmt werden. Die entscheidende Frage ist, wie das gelingt.

Horizontal und vertikal integriert

Und ein wichtiger Teil der Antwort lautet: Durch die horizontale und vertikale Integration. Bei der horizontalen Integration geht es darum, die Prozesse und IT-Systeme der unterschiedlichen Player entlang der Wertschöpfungskette – oder besser: im Wertschöpfungsnetzwerk – miteinander zu verzahnen. Das betrifft innerhalb eines Unternehmens die verschiedenen Abteilungen, die auch heute noch oft voneinander isoliert sind. Und das betrifft über das Unternehmen hinaus die unterschiedlichen Geschäftspartner, die gemeinsam an einem Produkt oder einer Dienstleistung arbeiten. Gemeint ist damit längst nicht mehr nur die Beziehung von Hersteller und Lieferant. Es sind häufig deutlich mehr Stakeholder involviert und deren Verhältnisse untereinander sind komplexer. Verändert haben sich auch die technologischen Möglichkeiten für den Austausch von Daten untereinander: EDI wird mittlerweile von API ergänzt. In Zukunft wird die horizontale Integration dank Cloud-Plattformen wie der SAP Cloud Platform noch einfacher.

Die vertikale Integration zielt auf die Verzahnung von einzelnen Bestandteilen innerhalb einer Organisationseinheit ab. Ein gutes Beispiel ist dafür die Automatisierungspyramide in der Produktion. Daten werden hier vom ERP-System über das MES bis zur Maschine im Shopfloor übermittelt – und andersherum. Für Unternehmen besteht die Aufgabe darin, solche vertikalen Strukturen zu identifizieren und konsequent über Schnittstellen miteinander zu verbinden.

Sensoren machen Dinge smart

Neben den Prozessen und IT-Systemen, die im Zuge der horizontalen und der vertikalen Integration miteinander verzahnt werden, gilt es auch, die vielen unterschiedlichen physischen Dinge einzubinden – schließlich geht es um das Internet of Things. Leicht fällt das mithilfe von Sensoren, die heute in unterschiedlichen Ausprägungen zu haben sind. Und deren Einführung mithilfe innovativer Technologiegen und neuer Systemmöglichkeiten rasch realisierbar ist. Im Vergleich zur Situation vor ein paar Jahren haben wir hier bereits eine enorme Beschleunigung erlebt. Und in der Zukunft wird es noch schneller gehen. Möglich werden das Plug-and-Play-Ansätze für das Onboarding von Sensoren machen. SAP arbeitet intensiv an dem Thema und hat bereits das IoT-Portfolio SAP Leonardo auf den Markt gebracht, das eine Reihe von Lösungen bereitstellt. So zum Beispiel den Thing Modeler, mit dem sich Oboarding-Prozesse beschleunigen lassen und mit dem auf Basis von physischen Dingen digitale Twins erstellt werden können.

Kein Platz mehr für ERP?

In der alten Welt waren die ERP-Systeme stets der Kern jedes Ökosystems. In der neuen Welt sind aber nur noch ein Bestandteil von vielen – einfach, weil viel Neues dazu kommt. Vor allem Startups haben hier einen Vorteil. Sie müssen sich nicht mit einer über Jahre gewachsenen Infrastruktur beschäftigen. Zwar benötigen auch sie ein ERP-System für ihre zentralen kaufmännischen Prozesse. Dieses können sie aber schlank halten und von Anfang an auf die aktuellen Bedingungen ausrichten. Etablierte Unternehmen haben es da schwerer. Denn sie müssen genau überlegen, wie sie die digitale Transformation hinbekommen. Das alte ERP-System abzuschalten, wäre eine Möglichkeit. Allerdings eine schlechte. Denn zu viele zentrale Geschäftsprozesse laufen darauf nach wie vor stabil, sämtliche Compliance-Anforderungen werden erfüllt und die Risiken sind gering. Stattdessen sollten die Unternehmen eine IT-Architektur der unterschiedlichen Geschwindigkeiten forcieren: Das ERP-System bildet dabei das solide Fundament, auf dem alle Prozesse aufsetzen, bei denen es vor allem um Stabilität und Sicherheit ankommt. Auf dem ERP-Fundament aufgebaut wird eine agile Umgebung von innovativen Technologien, mit denen sich experimentieren lässt und mit deren Hilfe sich innovative Ideen und digitale Services kreieren lassen.

Menschen machen den Unterschied

Technologien sind wichtig – keine Frage. Sie alleine reichen aber nicht aus. Denn ob sich Unternehmen erfolgreich wandeln und unterschiedliche Ökosysteme aneinander angepasst werden können, liegt vor allem an den Menschen. Bislang sind es die Mitarbeiter gewohnt, sich ausschließlich auf ihre eigene Abteilung zu konzentrieren. Dieses Silo-Denken und -Handeln müssen sie aber nun aufgeben und über die Abteilungs- und Unternehmensgrenzen hinaus blicken. Denn kommen Menschen mit unterschiedlichem Background ins Gespräch, ist das der Ausgangspunkt für neue, kreative Ideen. Für diese Entwicklung kann es hilfreich sein, wenn Unternehmen eine neue Rolle etablieren. Zentrale Aufgabe des Mitarbeiters, der diese Rolle übernimmt, ist es, Beteiligte aus allen Abteilungen und aus unterschiedlichen Unternehmen zusammenzubringen, damit sie gemeinsam daran arbeiten, die verschiedenen Ökosysteme zu einem großen Ökosystem zu harmonisieren. Im besten Fall verfügt der Mitarbeiter dafür über eine T-Shaped-Qualifikation; er hat also umfassendes Wissen in einem Bereich, kann gleichzeitig aber auch disziplinübergreifend denken.

– von Hans Rauwolf, Leitung Geschäftsfeld Industrie 4.0 / IoT, itelligence AG –
E-Mail: Hans.Rauwolf@itelligence.de

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