Kein Weiterkommen ohne Strategie: So gelingt Industrieunternehmen die Digitale Transformation

Kein Weiterkommen ohne IoT-Strategie! So gelingt Industrieunternehmen die Digitale Transformation

Wer heute über die Entwicklungen der Wirtschaft spricht, muss zwangsläufig auch über die digitale Transformation sprechen. Kein Wunder, denn damit vollzieht sich ein fundamentaler Wandel: Neue Technologien stellen etablierte Geschäftsprozesse und Geschäftsmodelle infrage, eröffnen gleichzeitig aber auch ganz neue Möglichkeiten. Wer die nutzen will, benötigt früher oder später eine weitsichtige Digitalisierungsstrategie. Florian Sackmann, Industry Manager bei itelligence, und Hans Rauwolf, Leiter des Geschäftsfelds Industrie 4.0/IoT bei itelligence, berichten über die Chancen und Herausforderungen für Industrieunternehmen.

Industrie 4.0, Internet of Things, Digitalisierung – häufig werden diese Begriffe synonym verwendet. Aber meinen sie auch alle das Gleiche?

Hans Rauwolf: 
Nach meinem Verständnis bezieht sich Industrie 4.0 auf alle Aspekte in der Produktion, die digitalisiert werden. IoT geht weiter und schließt die Vernetzung von Dingen außerhalb der Fertigung ein – das kann zum Beispiel ein Auto sein, das schon lange an den Kunden verkauft wurde und das kontinuierlich Daten an den Hersteller sendet. Am weitesten geht Digitalisierung. Um beim Automotive-Beispiel zu bleiben: Wenn dem Kunden personalisierte Werbung in seinem Cockpit angezeigt wird, ist das Digitalisierung. Die Konzepte trennscharf abzugrenzen, ist aber vermutlich gar nicht möglich – und auch gar nicht hilfreich. Wichtig ist: Die Digitalisierung in der Industrie stellt die Unternehmen vor neue Herausforderungen. Sie eröffnet aber vor allem enorme Chancen – beschleunigte und ganz neue Prozesse, digitale Produkte und Services sowie innovative Geschäftsmodelle. In all dem steckt ein erhebliches Wachstumspotenzial.

Um was geht es bei der Digitalisierung der Industrie im Kern?

Florian Sackmann: 
Ausgangspunkt sind die horizontale und die vertikale Integration. Horizontal bezieht sich auf den Datenfluss entlang sämtlicher Wertschöpfungsschritte. Innerhalb eines Unternehmens also von der Produktentwicklung über die Fertigung bis zum After Sales – und über die Unternehmensgrenzen hinaus bis zu den Lieferanten und den Kunden. Vertikal bezieht sich auf den Datenfluss entlang der verschiedenen Ebenen eines Wertschöpfungsschritts. Also etwa von der einzelnen Maschine über das MES bis zum ERP-System und zurück.

Hans Rauwolf: Die Idee, in beiden Dimensionen für einen ungehinderten Datenfluss zu sorgen, ist allerdings nicht ganz neu. Neu ist aber die enorme Datenmenge, die unter anderem wegen der zahlreichen Sensoren an den Maschinen heute generiert wird. Und neu sind auch die Technologien, mit denen die Daten gespeichert, transformiert und ausgewertet werden können.

Florian Sackmann: Ein Stichwort in diesem Zusammenhang ist SAP HANA. Die In-Memory-Computing-Plattform hat Echtzeit-Analysen und damit einige innovative Szenarien überhaupt erst möglich gemacht. Ähnlich ist es mit der Cloud-Technologie. Nur dank ihr können unterschiedliche Stakeholder von verschiedenen Standorten aus gemeinsam auf Daten zugreifen.

Hans Rauwolf: Eine konkrete Anwendung, bei der horizontale und vertikale Integration mithilfe dieser modernen Technologien realisiert sind, ist das Asset Intelligence Network von SAP (SAP AIN). Hier werden Informationen über die einzelnen Maschinen und Anlagen von Betreibern, Dienstleistern und Herstellern zusammengeführt und gemeinsam genutzt.
Geht die Digitalisierung in der Industrie nicht noch weiter? Häufig ist zum Beispiel die Rede von Werkstücken, die sich autonom durch den Produktionsprozess steuern, oder von Drohnen, die in den Shopfloors herumfliegen.

Florian Sackmann: In diesem Zusammenhang fällt auch immer wieder der Begriff Künstliche Intelligenz – mal wieder. Aber natürlich: Auch solche Szenarien sind denkbar und werden sicher auch früher oder später Realität sein, zumal intensiv an der Hardware gearbeitet wird. Aber damit das alles funktioniert, kommt es wieder auf durchgängige horizontale und vertikale Datenflüsse an. Denn auch der klügste KI-Algorithmus braucht Daten, die er auswerten kann. Und seine Ergebnisse muss er als Information in Echtzeit an die Drohne übermitteln können, damit sie weiß, welche Scheinwerfer aus dem Lager geholt werden müssen.

Was ist denn heute Realität? Häufig ist ja zu hören, dass Unternehmen in Deutschland die Digitalisierung verpassen.

Hans Rauwolf: Zunächst einmal: Was wir heute erleben, ist zwar eine logische Fortsetzung dessen, was schon seit Jahrzehnten passiert – im Grunde seit dem Beginn der Automatisierung in den 1970er-Jahren. Die aktuelle Dynamik ist allerdings enorm, der Wandel ist erheblich. Dennoch sehe ich nicht, dass Unternehmen sich verrückt machen lassen und in Aktionismus verfallen sollten. Wichtig ist aber, die technologische Entwicklung genau im Blick zu behalten – und dann gezielt und auf Basis einer Strategie zu handeln. Zu sagen, dass die Unternehmen die Digitalisierung verpassen, halte ich für überzogen.

Die Digitalisierung zu verpassen, heißt ja auch, Chancen zu verpassen. Worin besteht das Potenzial genau?

Florian Sackmann: Die Digitalisierung in der Industrie führt zu einer weiteren Automatisierung und damit zu einer höheren Effizienz: Prozesse werden beschleunigt, der Output wird erhöht, die Kosten werden gesenkt – im besten Fall nimmt auch die Flexibilität zu. Außerdem besteht eine fast vollständige Transparenz über das Geschehen im Shopfloor – bis zu dem Punkt, die Abnutzung einer Maschine voraussagen und die Instandhaltung auf den optimalen Zeitpunkt legen zu können. Auch das erhöht die Performance der Fertigung. Unternehmen, die diese Potenziale nicht nutzen, werden sich am Markt schwertun – weil sie zu teuer sind oder nicht kurzfristig liefern können.

Wie schätzen Sie die disruptive Kraft der Digitalisierung ein? Sind tatsächlich alle etablierten Geschäftsmodelle gefährdet?

Hans Rauwolf: Nach meiner Einschätzung wirkt diese disruptive Kraft wirklich spürbar nur in wenigen Brachen und ist deshalb auch nur für einzelne Unternehmen eine ernsthafte Gefahr. Dennoch können natürlich überall neue Services oder sogar neue Geschäftsmodelle entstehen, die Wettbewerbsvorteile darstellen. Allerdings lässt sich nicht jede Idee auf jede Branche übertragen – auch wenn das gerne versucht wird. Zum Beispiel Pay-per-Use- oder As-a-Service-Modelle: Bei Software funktioniert das hervorragend und wird gerne von den Kunden angenommen. Bei vielen analogen Produkten ist das noch anders: Sicher gibt es fertigende Unternehmen, die ihre Fräse nach der Anzahl der bearbeiteten Werkstücke bezahlen wollen. Momentan bevorzugen die meisten aber vermutlich noch den Kauf einer solchen Maschine. Diese Haltung kann sich aber in den nächsten Jahren ändern.

Wenn Unternehmen sich Gedanken zu innovativen Geschäftsmodellen machen, sollten sie eines nicht aus den Augen verlieren: Nicht alles, was technologisch machbar ist, ist auch gewollt – selbst wenn es wirtschaftlich sinnvoll wäre. Dazu kommt: Solche neuen Geschäftsmodelle bringen gerne auch neue und sehr komplexe Geschäftsprozesse mit sich, für die häufig erst einmal neue Strukturen geschaffen werden müssen. Andererseits muss man auch sagen: Wenn sich zum Beispiel bestimmte Funktionen bei einem Produkt bei Bedarf und gegen Bezahlung für einen bestimmten Zeitraum aktivieren lassen, kann das schon sehr attraktiv sein.

Wenn die Unternehmen die Chancen der Digitalisierung kennen – was hindert sie dann, aktiv zu werden?

Florian Sackmann: 
Eine Reihe von Unternehmen ist bereits sehr aktiv und probiert einiges aus. Die Mehrheit hat das Thema auf der Agenda und informiert sich umfassend – das merken wir zum Beispiel sehr deutlich auf Messen und Kongressen. Dass sich viele Unternehmen dennoch schwertun, die ersten Projekte umzusetzen, hat im Wesentlichen drei Gründe. Erstens fällt es ihnen häufig schwer, angesichts der vielen Möglichkeiten den richtigen Startpunkt zu finden. Zweitens verfügen die Unternehmen noch nicht über die Experten, die wissen, wie man solche Projekte angeht. Und drittens ist die Organisation in der Regel noch nicht auf die Digitalisierung ausgerichtet – denn benötigt werden lockere Strukturen, in denen engagierte Mitarbeiter aus unterschiedlichen Fachbereichen kreativ zusammenarbeiten können.

Womit sollten Unternehmen beginnen?

Florian Sackmann: Das lässt sich pauschal nur schwer beantworten, weil der Stand sehr unterschiedlich ist. Wir erleben aber relativ oft, dass Unternehmen vor der ganz konkreten und elementaren Frage stehen, woher sie die Daten überhaupt bekommen und wo sie diese speichern sollen. Für beides gibt es unterschiedliche Ansätze, die jeweils Vor- und Nachteile haben. Beim Speichern ist es zum Beispiel fast schon eine ideologische Frage, ob die Cloud infrage kommt oder nicht.
Hans Rauwolf: Eigentlich müsste man noch einen Schritt davor beginnen: Viele Unternehmen haben in ihren ERP-Systemen in der Vergangenheit nämlich nur das Notwendigste getan. Die Stammdaten sind nur selten sauber gepflegt – fast immer fehlen zum Beispiel die Prozessdaten für die einzelnen Arbeitsschritte. Das deshalb, weil diese Informationen in der Vergangenheit nie im System benötigt wurden. Die Mitarbeiter in der Werkhalle wussten einfach, was sie zu tun haben. Eine hohe Datenqualität ist aber die Voraussetzung für alle weiteren Digitalisierungsschritte.

Wie können sich Unternehmen dazu motivieren, die Daten zu bereinigen?

Hans Rauwolf: Der Nutzen muss für sie unmittelbar spürbar sein. Deshalb empfehlen wir immer, die Arbeit am ERP-System mit einem überschaubaren Digitalisierungsprojekt zu verzahnen – vielleicht mit der Integration einer Fräse: Einmal die Daten im ERP-System bereinigen und dann ein paar neue Technologiebausteine einführen, die den Datenfluss zwischen der Maschine und der Systemlandschaft optimieren. So können dann Erfahrungen gesammelt und Vorbehalte abgebaut werden. Fast immer führt das zu der Erkenntnis, dass sich der Aufwand lohnt. Und der erste Schritt ist gegangen.
Florian Sackmann: Wenn man nach den ersten Schritten verschiedene Aspekte der Digitalisierung kennengelernt hat, sollte irgendwann eine übergreifende Strategie entworfen werden. Denn sonst besteht die Gefahr, sich in den unendlichen Möglichkeiten zu verlieren.

Wie entwickeln Unternehmen eine solche Strategie?

Florian Sackmann: Wir schauen uns mit unseren Kunden mithilfe des Industrie 4.0 Maturity Index‘ von Acatech zunächst vier Felder an und bestimmen, wo das Unternehmen steht. Das betrifft die Informationssysteme, die Ressourcen, die Organisation und die Kultur. Das ist also die Ist-Situation. Außerdem arbeiten wir heraus, wohin sich das Unternehmen entwickeln will und wo die Digitalisierung die größten Chancen bietet. Unsere Empfehlung ist dabei eigentlich immer: Factory First! Unternehmen sollten zunächst einmal ihre internen Prozesse so weit wie möglich automatisieren. Denn hier kennen sie sich gut aus, hier kann sich eine umfassende Änderungsbereitschaft entwickeln, hier können innovative Ideen entstehen.

Hans Rauwolf:
 Gerade wenn es um Innovationen geht, ist eines wichtig: In die Diskussion sollten ruhig ein paar mehr Mitarbeiter einbezogen werden, auch wenn sie nicht unmittelbar betroffen sind. Gerade der Blick aus einer anderen Perspektive führt häufig zu guten Ideen.

Florian Sackmann: 
Zur Entwicklung einer digitalen Strategie gehört auch unbedingt, einen Rahmen für die Technologieauswahl festzulegen. Denn in den Projekten wird nie nur eine einzige Lösung eingeführt – so wie es bislang meistens mehr oder weniger der Fall war. Die neuen Szenarien machen es erforderlich, eine Vielzahl von Komponenten zu einer individuellen Lösung zusammenzusetzen. Und für jede Komponenten gibt es unterschiedliche Anbieter und Partner mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen. Ohne klares Konzept, worauf es bei der Technologieauswahl ankommt, verliert man hier schnell den Überblick und kann keine Entscheidung treffen. Auch diese Erfahrung kann dazu führen, dass Projekte dann doch nicht realisiert werden.

Hans Rauwolf: Hinzu kommt, dass es bislang kaum Referenzen für Prozesse gibt, an denen man sich orientieren kann. Die Unternehmen müssen erst herausfinden, was überhaupt alles möglich ist. Um es zusammenzufassen: Es gibt eigentlich keinen festen Rahmen mehr. Unternehmen können sich Gedanken über digitalisierte Produkte machen, über neue Geschäftsmodelle und Services, über Prozesse und über die Technologien. Alles ist in Bewegung. Eine Strategie muss sämtliche Aspekte sinnvoll ordnen und gleichzeitig flexibel genug sein, um neue Entwicklungen aufgreifen zu können. Es ist also Agilität gefordert – und zwar für alle vier Felder.

Für die Unternehmen gibt es also viel zu tun. Wie kann itelligence dabei unterstützen?

Florian Sackmann: Als Beratungsunternehmen haben wir einen guten Überblick über alle neuen Möglichkeiten und können sie einordnen. Das betrifft natürlich die Technologien, das betrifft aber auch die Prozesse – beides hängt unmittelbar zusammen. Wir können also bei Unternehmen für Transparenz darüber sorgen, was überhaupt alles möglich und was für ihre individuelle Situation besonders interessant ist. Dabei beziehen wir den gegenwärtigen Stand im Unternehmen natürlich mit ein. Außerdem arbeiten wir gemeinsam mit ihnen an digitalen Produkten und Services und entwerfen eine ganzheitliche Digitalisierungsstrategie. Das machen wir in der Regel in unseren Design-Thinking-Workshops.

Hans Rauwolf: Neben der reinen Beratung helfen wir den Unternehmen auch, die vielen Ideen wirklich umzusetzen – im ersten Schritt kann das gerne auch ein überschaubarerer Case sein. Unsere Kunden bekommen bei uns also eine End-to-End-Leistung. Wir begleiten sie auf dem gesamten Weg in die digitale Welt.

– Hans Rauwolf, Leitung Geschäftsfeld Industrie 4.0 / IoT, itelligence AG –
E-Mail: Hans.Rauwolf@itelligence.de

 

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