Schön und schlau: Mit SAP Fiori 3 zum intelligenten Unternehmen | UX-Serie Teil 2

SAP Fiori 3: Harmonisierte UX für intelligente Anwendungen

Durch die fortschreitende Digitalisierung und die Ansprüche der nächsten Anwendergeneration ist gute User Experience (UX) im Geschäftsumfeld mehr als „nice to have“. Mit der Einführung von SAP Fiori hat SAP vor einigen Jahren die Weichen für benutzerfreundliche Geschäftsanwendungen gestellt. SAP Fiori ist ein Paradigmenwechsel, weg von den klassischen SAP-Applikationen mit komplexen Benutzeroberflächen, vielen Funktionen und unterschiedlichen Designs, hin zu einfachen Apps, die den Anwender und seine Aufgaben in den Mittelpunkt stellen.

Aus den ersten SAP-Fiori-Apps ist inzwischen ein umfassendes Designsystem für Unternehmenssoftware entstanden. In seiner Gesamtheit ist SAP Fiori daher mehr als nur die visuelle Überarbeitung alter Benutzeroberflächen mit neuer Technologie: Gute UX für SAP ist zu einem fundamentalen Bestandteil der Geschäftsanwendungen geworden. SAP-Fiori-Apps sind moderne Geschäftsanwendungen, die auf einheitlichen Designprinzipien basieren und einer konsistenten Designsprache folgen. Dadurch sind sie annähernd so einfach und intuitiv zu bedienen wie die Apps, die wir aus unserem privaten Alltag kennen.

Mit den SAP Fiori Design Guidelines und den dazu passenden SAP-Technologien und -Werkzeugen steht jedem Unternehmen das nötige Rüstzeug zur Verfügung, um selbst kundenspezifische Geschäftsanwendungen mit dem höchsten Anspruch an das Nutzungserlebnis zu entwickeln.

Eine einheitliche User Experience mit SAP Fiori 3

Neben zeitgemäßen UX-Ansprüchen entspringt SAP Fiori noch einer weiteren Motivation: Harmonisierung. In den letzten Jahren hat SAP viele Softwarelösungen anderer Anbieter akquiriert, um sich zu einem führenden Cloud-Anbieter zu entwickeln. Dadurch wurde das SAP-Cloud-Portfolio in kurzer Zeit um viele Lösungen ergänzt, die alle ihre eigenen Benutzeroberflächen und eigenen Bedienkonzepte mitbrachten. Viele dieser Produkte gehören heute zum Lösungsportfolio der sogenannten Intelligent Suite, mit der sich anwendungsübergreifende End-to-End-Prozesse wie z. B. Lead-to-Cash oder Total Workforce Management durch die Kombination der einzelnen Lösungen abbilden lassen. Wesentliche Ziele der Intelligent Suite sind die standardmäßige, nahtlose Integration der einzelnen Produkte und eine einheitliche User Experience.

Beim Ziel einer nahtlosen User Experience kommt SAP Fiori 3 ins Spiel. Mit dieser Evolutionsstufe möchte SAP eine Harmonisierung und Standardisierung der User Experience für alle Produkte der Intelligent Suite erreichen. Die Designkonzepte von Fiori 3 fließen in den kommenden Jahren schrittweise in die Produkte ein und werden zum Teil sicherlich noch geändert und weiter ausgearbeitet. Die Stoßrichtung ist aber klar: SAP Fiori soll sich zur UX des intelligenten Unternehmens weiterentwickeln. Um dies zu ermöglichen, liegt der Fokus auf drei Bereichen:

  • Konsistenz: ein konsistentes Look & Feel für alle SAP-Produkte
  • Intelligenz: Einbettung von Technologien zur intelligenten Anwenderunterstützung
  • Integration: ein produktübergreifendes, integriertes Nutzungserlebnis
Abbildung 1: SAP-Fiori-App mit dem neuen SAP-Quartz-Theme in SAP S/4HANA Cloud, hier: eine Overview Page
Abbildung 1: SAP-Fiori-App mit dem neuen SAP-Quartz-Theme in SAP S/4HANA Cloud, hier: eine Overview Page

Ein konsistentes Look & Feel

Die Unterschiede im Nutzungserlebnis der einzelnen Produkte der Intelligent Suite entstehen durch verschiedene Faktoren. Es können vergleichsweise einfache Dinge sein, wie etwa verschiedene Farben in den Brandings der zugekauften Produkte oder eine inkonsistente Platzierung von Buttons. Je nach Produkt gibt es aber auch grundlegendere Unterschiede, z. B. bei der Datenanzeige oder der Navigation. Ein erklärtes Ziel von SAP Fiori 3 ist daher die Harmonisierung dieser Aspekte:

  • Look (visuelles Design und Theme)
  • Feel (Animationen, Interaktion, virtuelle Haptik)
  • Controls und Floorplans
  • gemeinsame Funktionen aller Produkte und Technologien

Ein erster Schritt bei der Vereinheitlichung des visuellen Designs erfolgt durch die Einführung des neuen Standard-Themes Quartz. Durch Quartz werden unter anderem das Farbschema und die Typografie überarbeitet. Quartz ist insgesamt zurückhaltender und neutraler als sein Vorgänger Belize. Das neue Theme verwendet Weiß-, Grau- und Blautöne. Dadurch hält es sich mehr im Hintergrund und lenkt den Fokus des Anwenders auf die eigentlichen Inhalte. Die minimalistische Gestaltung mit wenigen Farben macht es für Kunden zudem einfacher, ein eigenes Branding einzuführen.

Einbettung intelligenter Anwenderunterstützung

Mit SAP Fiori 2.0 wurden erste intelligente Funktionen wie z. B. der digitale Sprachassistent SAP CoPilot eingeführt. SAP Fiori 3 geht einen Schritt weiter, indem es die Interaktion per Sprache und weitere intelligente Funktionen tiefer in die Benutzeroberfläche integriert. Durch die Einbettung von Künstlicher Intelligenz (KI), basierend auf Machine Learning und regelbasierten Systemen, soll der Anwender zukünftig unterstützt werden.

Ein integriertes Nutzungserlebnis

Viele Anwender nutzen bereits heute verschiedene SAP-Produkte zur Erledigung ihrer Aufgaben. Aufgrund ihrer unterschiedlichen Herkunft und Historie sind die Produkte der Intelligent Suite aber noch nicht optimal integriert. Für ein gutes Nutzungserlebnis sollte es allerdings keine Rolle spielen, welche spezifische SAP-Lösung im Hintergrund zum Einsatz kommt. Den Anwender interessiert nicht, ob er für seine Aufgabe z. B. SAP S/4HANA oder SAP SuccessFactors nutzen muss. Eine bessere Integration der einzelnen Produkte miteinander zu erreichen ist daher ein Schwerpunkt von SAP Fiori 3. Das bezieht sich weniger auf die Datenintegration wie z. B. die Konsolidierung von Datenbanken oder die Systemintegration auf der Ebene von Schnittstellen. Es bedeutet vielmehr ein produktübergreifendes, integriertes Nutzungserlebnis.

Das intelligente Unternehmen nimmt Gestalt an

Blicken wir auf das Gesamtsystem: Die Intelligent Suite, erweitert um das Experience Management und verknüpft über die Business Technology Platform, wird in der SAP-Strategie als intelligentes Unternehmen bezeichnet. Es umfasst Schlüsseltechnologien, um neue Geschäftsmodelle und Produktivitätsfortschritte zu ermöglichen. Die Hauptausrichtung liegt dabei auf den Erlebnissen, die als X-Daten erfasst werden und in operative Entscheidungen mit einfließen.

Abbildung 2: Das intelligente Unternehmen als Gesamtsystem
Abbildung 2: Das intelligente Unternehmen als Gesamtsystem

Ein Alleinstellungsmerkmal des intelligenten Unternehmens von SAP liegt in der flexiblen Ausprägung moderner End-to-End-Geschäftsprozesse über die verschiedenen Applikationen der Intelligent Suite hinweg. Schlüsselbereiche der Gestaltung dieser Prozesse sind dabei eine ausgezeichnete User Experience, die nahtlose Integration über Systemgrenzen hinweg sowie der ausgewählte Einsatz von intelligenten Technologien für einzelne Aufgabenstellungen.

Neue Technologien optimieren die Geschäftsprozesse

Die für die praktische Umsetzung der Geschäftsprozesse relevanten neuen Technologien stehen dabei ebenfalls über die Business Technology Platform bereit. Die folgenden Technologien werden hier unterstützt:

  • Robotic Process Automation (RPA), bereitgestellt über die Lösung SAP Intelligent RPA
  • Funktionen zur Entwicklung von Chatbots, bereitgestellt über die Lösung SAP Conversational AI
  • Machine-Learning-Funktionen, bereitgestellt über die SAP Leonardo Machine Learning Foundation
  • Analysefunktionen, bereitgestellt über SAP Analytics Cloud
  • Funktionen zum Datenmanagement und zur Datenorchestrierung, bereitgestellt über SAP Data Intelligence
  • Funktionen für das Internet der Dinge, bereitgestellt über SAP Leonardo Internet of Things

Einige dieser Technologien werden als Standardfunktionen in Prozessaufgaben integriert und so von SAP ausgeliefert. Zu diesen Standardfunktionen auf Basis intelligenter Technologien gehören zum Beispiel:

  • Predicted Customer Targeting (eingebettet in SAP C/4HANA)
  • Intelligent Cash Management (eingebettet in SAP S/4HANA)
  • Invoice Matching (eingebettet in SAP Ariba)
  • Skill-Abgleich (eingebettet in SAP Fieldglass)

Andere Technologien, wie RPA, bieten sich ergänzend zum individuellen Einsatz an. SAP hat dazu einige systemübergreifende End-to-End-Prozesse definiert, die sich mit den neuen Technologien lösungsübergreifend verbessern und automatisieren lassen sollen:

  • der komplette Produktionsprozess entlang der Logistikkette vom Entwurf eines Produkts über die Beschaffung von Material und die Fertigung bis hin zur Auslieferung, einschließlich Kundendienst und Anlageninstandhaltung (Design-to-Operate)
  • alle Prozesse des Personalwesens und der Verwaltung externer Dienstleistungen (Total Workforce Management)
  • alle Marketing- und Vertriebsprozesse von der Neukundengewinnung bis zur Kundenbetreuung (Lead-to-Cash)
  • alle Prozesse von der Beschaffung bis zu Buchhaltung und Finanzwesen (Source-to-Pay)
Abbildung 3: Neugestaltung von End-to-End-Prozessen mithilfe intelligenter Technologien
Abbildung 3: Neugestaltung von End-to-End-Prozessen mithilfe intelligenter Technologien

Auf dem Weg zum intelligenten Unternehmen kommt der Gestaltung von User Experience eine neue, zentrale Bedeutung zu. Denn beim Experience Management für Kunden (Customer Experience Management, kurz CXM) und Mitarbeiter (Human Experience Management, kurz HXM) geht es letztlich darum, Erlebnisse neu zu gestalten und die Bedürfnisse der Nutzer zu beachten.

 

Sind Sie neugierig geworden? Mehr zum Thema User Experience finden Sie in unserer UX-Blogreihe – jetzt weiterlesen:

1. User Experience bei Geschäftsanwendungen: Grundlagen und Fachbegriffe
2. Schön und schlau: Mit SAP Fiori 3 zum intelligenten Unternehmen
3. So entsteht eine individuelle UX-Strategie
4. So wählen Sie die richtige UX-Technologie aus
5. SAP Fiori Elements im Einsatz: Die Vor- und Nachteile
6. Mit nativ entwickelten Business Apps zum besten Nutzungserlebnis

 

– von Christoph Beyer, Expert Product Development, itelligence AG –
E-Mail: [email protected]

 

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Dieser Beitrag beinhaltet Teile des neuen Fachbuchs „User Experience mit SAP“ unserer UX-Experten Christoph Beyer, Matthias Kumm und Christian Lindner. Die Autoren zeigen Ihnen Methoden und Best Practices für benutzerfreundliche, anforderungsorientierte SAP-Oberflächen. Es wird erklärt, wie Sie mit SAP-Fiori-Design und modernen SAP-Technologien Anwendungen erstellen, die der digitalen Transformation in Ihrem Unternehmen den Weg bereiten.

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