Sechs globale Trends und ihre Folgen für die deutsche Fertigungsindustrie

Viele Unternehmen der diskreten Fertigung in Deutschland sind gut aufgestellt: Sie nutzen bereits standardisierte, teils automatisierte und teils digitalisierte Prozesse. Datenströme werden ausgewertet und zur Prozessoptimierung genutzt. Doch beständig ist nur der Wandel, und eine Frage stellt sich jeden Tag: Wie bleiben die eigenen Produkte zukunftsfähig? Ein Blick auf die wesentlichen technologischen und wirtschaftlichen Trends der kommenden Jahre genügt, um die künftigen Herausforderung zu erkennen:

  • Die voranschreitende Digitalisierung bringt disruptive Technologien hervor, die alte Geschäftsmodelle in Frage stellen. Plattformmodelle und digitale Ökosysteme ersetzen unvernetzte Einzellösungen – sowohl in den Unternehmen als auch bei den Konsumenten.
  • Globale, innovative Anbieter sorgen für einen steigenden Wettbewerbsdruck, vor allem die Konkurrenz aus Nordamerika und Asien treibt die europäischen Unternehmen.
  • Gesättigte Märkte erschweren den Absatz von traditionellen/analogen Produkten und Dienstleistungen, die vor ein paar Jahren noch begehrt waren.
  • Die Kunden der Fertigungsindustrie werden anspruchsvoller – sowohl auf Konsumenten- als auch B2B-Seite. Wer privat seinen Alltag mit digitalen, personalisierten Produkten und Services erleichtert, erwartet auch im B2B-Bereich neue Technologien mit spürbarem Mehrwert.
  • Die Verknappung und damit Verteuerung von wichtigen Rohstoffen, von Energie und hochqualifizierten Arbeitskräften erfordern bestmöglich effiziente Prozesse.
  • Erweiterte und neue Anforderungen der Kunden, Geschäftspartner und des Gesetzgebers verlangen nach Datentransparenz und neuen Schnittstellen.

Der technologische und wirtschaftliche Wandel, vor allem die Digitalisierung aller Lebensbereiche, verändern die Bedingungen und Chancen der Industrie. Die Branche hat reagiert und das Zukunftsmodell der Industrie 4.0 entworfen. Gemeint ist die echtzeitfähige, intelligente, horizontale und vertikale Vernetzung von Menschen, Maschinen, Objekten und IT-Systemen (Internet of Things, IoT). Ziel: die effiziente, dezentral organisierte und flexible Produktion.

Die drei Phasen der Wandels

Um sich langfristig zu behaupten, müssen sich der Mittelstand und auch Großunternehmen mit den globalen Trends und den neuen Chancen auseinandersetzen. Eine konsequent vernetzte Fertigung verändert jedes produzierende Unternehmen. Sie ermöglicht neue Produkte und Dienstleistungen. Es beginnt bei modernisierten Prozessen, geht über die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und führt zu digitalisierten Produkten und Services. Während dieser digitalen Transformation durchlaufen Unternehmen typischerweise drei Phasen:

  • Zunächst nutzen sie die vorhandenen Technologien und Systeme für eine möglichst weitgehende Digitalisierung von Geschäftsprozessen.
  • Anschließend folgt eine Phase der Integration und Vernetzung von neuen Assistenzsystemen (zum Beispiel Predictive Maintenance, 3D-Montagehilfen).
  • Phase drei ist erreicht, wenn die IT-Systeme je nach Bedarf dezentrale autonome Entscheidungen treffen können.

In welcher Phase sich der eigene Betrieb befindet, muss jedes Unternehmen selbstkritisch beurteilen – und anschließend die sinnvollen nächsten Schritte ableiten. Unter anderem sollten dabei jene Elemente einer Smart Factory in Betracht gezogen werden, die Antworten auf die Herausforderungen der diskreten Fertigung liefern können.

  • Forderung nach mehr Effizienz: Vernetzte Objekte, lückenlose Überwachung und ortsunabhängiger Zugriff auf die Anlagen, Standardisierung von Abläufen und konsequente Datennutzung sorgen für eine Fertigungsoptimierung. Die intensive Nutzung von Daten sowie die Vernetzung aller Objekte führen zu optimierten Prozessen und einer Qualitätsverbesserung der Wertschöpfungskette.
  • Steigende Erwartungen der Anwender: Kürzere Entwicklungszeiten durch CAD-Integration, 3D-Druck, neue digitale Services. Intelligente Produkte werden um datengetriebene Dienstleistungen erweitert.
  • Gesättigte Märkte: Individualisierte und vernetzte Produkte, mehr Varianten. IoT-Technologien ermöglichen neue und flexible Geschäftsmodelle mit zahlreichen Partnern.
  • Forderung nach mehr Transparenz: neue Informationsflüsse und Schnittstellen für Kunden und Geschäftspartner, aber auch für die Steigerung der Produktivität ‑ durch Auswertung neuer Kennzahlen.

Fähigkeiten des ERP gefragt

Die neuen Technologien wirken nicht nur auf die Produktion und Logistik, etwa durch cyber-physische Systeme und dezentrale autonome Planungsprozesse, sondern auch auf die kaufmännischen und administrativen Bereiche. Entscheidend sind weiterhin die Fähigkeiten und Eigenschaften des eingesetzten ERP-Systems. Es ist die Grundlage für alle digitalen Prozesse und unterstützt die Planung, Steuerung und Kontrolle unternehmerischer Entscheidungen. Auch in Zukunft laufen dort die Fäden der vernetzten Fertigung zusammen.

Bei allem Enthusiasmus für Industrie 4.0, IoT und Smart Factory: Erweiterungen eines bestehenden IT-Systems und neue Lösungen sollten vor allem einen nachvollziehbaren wirtschaftlichen Nutzen bieten. Sie sollten skalierbar und nachhaltig sein, präzise angepasst auf die Unternehmensbranche, hohe Sicherheitsstandards bieten und beherrschbar bleiben – sowohl in der Investition als auch in der alltäglichen Anwendung.

– von Roman Kruse, Head of Center of Excellence, Discrete Industries, itelligence AG –
E-Mail: roman.kruse@itelligence.de

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