Mobile Lösungen mit Sybase Unwired Platform und SAP Gateway

Im Rahmen einer wissenschaftlichen Arbeit der HSLU, Luzern, wurde ich zum Thema mobile Lösungen mit SAP Technologie interviewt. Ausgangspunkt für das Interview war die Ankündigung seitens SAP, ihre mobile Strategie durch Partnerschaften mit Adobe im Bereich PhoneGap und Sencha Touch zu verstärken. Im Folgenden ein Auszug der wichtigsten Fragen und Antworten.

Seit wann ist Sybase Unwired Platform (SUP) und SAP Gateway für Kunden erhältlich?
Die Sybase Unwired Platform kann bereits seit 2009 direkt mit SAP-Systemen Verbindung aufnehmen. SAP Gateway wurde im Oktober 2011 auf der SAPHIRE vorgestellt und erlaubt eine nachhaltige Integration von mehreren Backend-Systemen. Die Fäden laufen jeweils bei der Unwired Platform zusammen.

Was sind die Vorteile von SUP und Gateway für den Kunden?
Die beiden Technologien bilden zusammen eine einheitliche Plattform für verschiedenste mobile Applikationen im Unternehmen. Dabei kommt es nicht so sehr darauf an, ob man die Mitarbeiter mit Geräten von Apple oder Android ausstatten möchte – es werden beide unterstützt. Der Kunde erhält vom Implementierungspartner einen Abstraktionslayer zum SAP-Backend. Damit können auch Entwickler ohne SAP-Know-How strukturiert Daten mit SAP-Backends austauschen. Dies geschieht über den sogenannten OData-Channel, eine RESTful-Schnittstelle.
Nicht zuletzt setzt der Kunde mit SUP und Gateway auf das richtige Pferd: Im Vergleich zu anderen mobilen Plattformen ist das Gespann von SUP und Gateway seitens SAP strategisch. Man kann also fertig implementierte mobile Apps von SAP über die gleiche Plattform betreiben.

Gibt es auch Bereiche, wo SUP und Gateway weniger geeignet sind?
Für ganz kleine Kunden im KMU-Bereich, welche eine kleine, mobile Spezialanwendung entwickeln möchten, ist die zusätzliche Beschaffung, der Aufbau und das Betreiben von SUP und Gateway vielleicht zu aufwändig. Da empfehlen wir schlankere Lösungen. Weiters sind in der mobilen Applikationsentwicklung die von Sybase angebotenen Libraries nicht sehr mächtig. Themen wie Synchronisation, Datenhaltung und Berechtigungen müssen durch Zusatzentwicklungen abgedeckt werden.

Welche sind die Anforderungen von SUP und Gateway an Hardware und Software?
Für die Installation der SUP reicht im Prinzip schon ein handelsüblicher PC, für den Gateway ist es ein kleiner SAP NetWeaver Applikationsserver vorzusehen. Beide Systeme sollten unbedingt mindestens zweifach installiert werden, um Entwicklungen vom produktiven Betrieb zu isolieren.

Welche Backend-Systeme können angebunden werden? Welche Schnittstellen werden angeboten?
Die SUP bietet eine breite Palette an Schnittstellen zu Backendsystemen diverser Hersteller an: Es können SOAP Web-Services, über RFC, ODBC, aber auch REST-Schnittstellen angebunden werden. Die Schnittstellen von SAP Gateway als Tor zu SAP Systemen sind naturgemäss SAP-zentrisch. Gateway kann durch diesen Fokus aber ein strukturiertes, offenes Framework zur effizienten Erstellung von Services und Anbindung von SAP-Backendsystemen anbieten.

Wie sieht die Software-Architektur einer mobilen Applikation mit SUP und Gateway aus?
Der Kunde hat die Wahl zwischen nativen Applikationen (Objective C bei Apple-Geräten) oder hybride Applikationen auf HTML5-Basis. Beide Ansätze haben ihre Vorzüge – native Apps können einfacher ein tolles User Interface bekommen, hybride sehen dafür auf allen Endgeräten identisch aus. Native Apps sind etwas performanter, hybride Apps sind dafür schneller und günstiger in der Entwicklung.

Sie sprechen von hybriden Applikationen und HTML5. Kommen hier die neu angekündigten Partnerschaften von SAP mit Adobe und Sencha zum Zug?
Genau. Das Framework Sencha Touch bietet mehrere gute Ansätze, die den Einsatz rechtfertigen. Einerseits kann ich schnell und effizient Applikationen plattformübergreifend mit einem einheitlichen User Interface gestalten. Und weil es im Grunde um HTML und JavaScript geht, ist bei Kunden solches Know-how schon breit vorhanden. PhoneGap wiederum erlaubt es mir, die HTML5-Applikation in eine native Applikation zu packen. Sie ist dann vom Benutzer von einer „konventionell“ programmierten App nicht mehr zu unterscheiden.

Welchen Weg nehmen die Daten einer mobilen App? Ist das überhaupt sicher?
Vom Geräte werden die Daten über eine sichere Internet-Verbindung an die SUP geleitet. Diese prüft den Benutzer und schleust die Daten dann über den Gateway zu den SAP-Backendsysemen.

Was wird benötigt, um eigene Apps zu entwickeln? Welche Kenntnisse (z.B. Programmiersprachen) und Entwicklungsumgebungen braucht man?
Bei den Programmierkenntnissen sind für hybride Apps sicherlich HTML5-Kenntnisse (HTML, JavaScript) nötig, für native primär Objektive C. Gateway Services brauchen einen ABAP-Hintergrund. Die Entwicklungsumgebungen sind einerseits ein guter Text-Editor und einen modernen Browser, Die Programmierumgebung XCode von Apple sowie die ABAP-Workbench von SAP.

Sind diese Apps dann auch offline-fähig?
Ja, hybride Apps setzen den „AppCache“ und „Local Storage“ ein, beides HTML5-Standards. Native Apps erledigen die lokale Datenhaltung nativ. Beide Ansätze erlauben einen Offlinebetrieb.

Werden auch native Funktionen wie GPS oder Kamera unterstützt?
Absolut. Native Applikationen können auf Hardware direkt zugreifen. Hybride Applikationen können über eine JavaScript-Wrapper-API auf Hardware zugreifen. Man kann also relativ einfach einer Applikation beibringen, ein Foto mitsamt der aktuellen GPS-Position zu schiessen und die Daten dann im Endeffekt in einem SAP-System als Datenobjekt ablegen.

Viele Kunden haben eine mehrsprachige Belegschaft. Wie gehen die mobilen Apps von SAP damit um?
Wenn eine Applikation neu entwickelt wird, kann die Mehrsprachigkeit über die Anmeldesprache gelöst werden. Der SAP-Benutzerstamm definiert dann für jeden Benutzer die Standard-Sprache. Dadurch pass sich die Applikation automatisch der Anmeldesprache an. Apps, welche direkt von SAP vertrieben werden, sind in der Regel auch mehrsprachig.

Wie wird das Gerätemanagement sichergestellt?
Mobile Geräte sind sehr „flüchtig“. Um diese gesamthaft den Unternehmensrichtlinien entsprechend verwalten zu können, sollte der Kunde ein Device-Management einsetzen. Sybase Afaria ist dafür beispielsweise gut geeignet, andere sind aber auch möglich.

Wie können die Apps verteilt werden?
Apps können sowohl über den SAP-Store und Apple-AppStore verteilt werden, als auch über einen firmeninternen Enterprise-Store.

Sollten Sie weitere Fragen im Bereich Mobility haben, stehe ich Ihnen sehr gerne zu Verfügung.

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3 Gedanken zu “Mobile Lösungen mit Sybase Unwired Platform und SAP Gateway”

  1. 0x68 (@0x68) sagt:

    Ich habe den Artikel sehr sorgfältig gelesen, ich bin als SUP geplagter Entwickler alles andere als einverstanden mit den Aussagen. Zum einen ist das System SUP alles andere als Stabil. Hässliche workaraounds müssen schon beim registrierungsprozess angewendet werden. Der generierte Code hat Unmengen an Fehlern und wirkt oft auch gefaked. Der Synchronizationsprozess ist aufgrund ungetestetem Code fehlerhaft. SUP ? Nein Danke ! Beispielsweise liefert ein getRowcount auf eine SupQueryResult eine Arrayliste zurück, wie verrückt ist das bitte ??? Indexierte querys mit Offset Werten verhalten sich exponentiell etc etc… Ich kann Dutzende SUP spezifische dinge nennen bei denen ich an die Decke gehen könnte. Ich habe bislang noch nicht im Ansatz das Gefühl das SUP Marktreife erlangt hat… Scheinbar ist der registrierungsprozess unter iOS noch Message Based usw. usw…. Der Beitrag spiegelt eher den Managementcharakter wieder denen SUP schmackhaft gemacht werden soll. Ist für mich subjektiv betrachtet Augenwischerei….

    1. Nicola Fankhauser sagt:

      Vorab kann ich als Entwickler Ihren Frust absolut nachvollziehen. Fehlerhafte Produkte gehören leider zu unserem täglichen Brot. Wir versuchen deshalb einerseits intensiv mit SAP als Hersteller der Software zusammenzuarbeiten und damit korrigierende Patches zu erwirken. Gerade bei „innovativen“ Softwareprodukten oder neuen Releases sind Probleme und Bugs aber auch häufig ein Umstand, der in der Sache der Natur liegt. Wir haben selbst mobile Software mit eigener Synchronisationsengine auf Basis von RESTful Services entwickelt und aus eigener Erfahrung wird die Thematik grundsätzlich unterschätzt. Es gibt so viele Themen, die erst im Laufe von realen Nutzungsszenarien ans Licht kommen. Selbstgebaute Software hat daher mit den gleichen Problemen zu kämpfen.

      Wenn Ihnen Sybase Unwired Platform nicht stabil genug ist, kann man auch direkt mit SAP Gateway interagieren. Dabei sind aber wichtige Themen (wie Synchronisation) selbst zu lösen.

      Wie Sie schreiben, ist mein Blogbeitrag als Übersicht zu SAP-zentrischen mobilen Bedürfnissen gedacht. Für eine Empfehlung zu Entwicklungsplattformen für mobile Entwicklungen müsste ich (oder ein Kollege) wohl einen neuen, spezifischen Beitrag schreiben.

  2. Mathias Eberle sagt:

    Das ist natürlich schon ein ernüchterndes Feedback. Haben noch andere diese Erfahrungen gemacht? Oder gibt es bessere/positive Erfahrungen? Andere Meinungen?

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